Finale in Seelisberg – Meistertitel, Vizemeisterschaft und ein Wochenende, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Drift Series 2026 ist Geschichte.
Und wenn man sich für ein Saisonfinale ein Drehbuch hätte schreiben dürfen, hätte man wahrscheinlich kaum mehr hineinbekommen als das, was uns Seelisberg dieses Jahr geboten hat.
Meistertitel, Defekte, Elektronikprobleme, Überraschungen, ein Kampf um jeden einzelnen Punkt, internationale Gastfahrer – und ein Finale, bei dem irgendwann ein rund 220 PS starker E36 einem japanischen Drift-Profi im 900+ PS Supra so viel Druck machte, dass selbst die Judges noch eine Runde mehr sehen wollten.
Aber eigentlich begann unsere Geschichte schon, bevor überhaupt alle in Seelisberg angekommen waren.
Der Großteil des Teams machte sich bereits am Donnerstag auf den Weg in die Schweiz. Nur Pascal und Jessi fehlten noch. Jessi musste am Donnerstag noch arbeiten, also klingelte für die beiden am Freitag sehr früh der Wecker. Das Ziel: gegen 14 Uhr in Seelisberg sein.
Pascal hatte seinen BMW E38 als Zugfahrzeug eingespannt, dahinter auf dem Anhänger sein gerade frisch lackierter E36. Nach den letzten Tagen Arbeit am Drifter sollte das Auto natürlich pünktlich beim Saisonfinale stehen. Die Fahrt verlief problemlos. Fast bis zum Ziel.
Wer Seelisberg kennt, weiß, dass die letzten Kilometer noch einmal ordentlich bergauf gehen. Und ausgerechnet in der letzten Spitzkehre der Steigung vor Seelisberg entschied der E38, dass unser Wochenende offenbar noch ein bisschen mehr Spannung vertragen könnte. Der Kühlerstutzen brach.
Da bist du hunderte Kilometer gefahren, kannst das Fahrerlager praktisch schon riechen, hinten steht der frisch lackierte Drifter auf dem Anhänger – und vorne verteilt das Zugfahrzeug sein Kühlwasser. Willkommen beim Saisonfinale.
Aber genau da zeigte sich zum ersten Mal an diesem Wochenende, was dieses Fahrerlager ausmacht. Über die Drift Force Garage konnten wir noch am Freitag kurzfristig einen neuen Kühler organisieren.
Und der kam tatsächlich noch am selben Tag in Seelisberg an. Problem für die Heimfahrt also zumindest theoretisch gelöst. Zeit, sich sofort darum zu kümmern, hatten wir allerdings keine.
Denn unsere Driftcars hatten offensichtlich beschlossen, den E38 nicht alleine im Mittelpunkt stehen zu lassen.
Bei Pascal verabschiedete sich zunächst die Flyoff. Ärgerlich, aber damit konnte man irgendwie umgehen.
Wenig später hatte dann auch noch eine Antriebswelle keine Lust mehr, weiter am Geschehen mitzuwirken. Also Werkzeug raus. Schrauben.
Während Pascal mit klassischen mechanischen Problemen kämpfte, begann bei Nico eine Geschichte, die uns praktisch das gesamte Wochenende begleiten sollte. Elektronik. Zuerst meldete sich der Nockenwellensensor. Also neuen NW-Sensor eingebaut. Das Auto lief wieder. Kurz zumindest. Dann war der Fehler zurück.
Also weitergesucht und einen neuen Kurbelwellensensor eingebaut.
Wieder Ruhe. Wieder Hoffnung. Und dann? Ging das Spiel von vorne los.
Mal Nockenwellensensor, mal Kurbelwellensensor, zwischendurch lief der BMW völlig normal – nur um kurze Zeit später wieder Probleme zu machen.
Das Gemeine an solchen Fehlern ist nicht einmal, dass sie da sind. Das Gemeine ist, dass sie zwischendurch verschwinden und dir das Gefühl geben: Jetzt haben wir ihn endlich.
Nur um dir wenig später zu zeigen: Nein. Habt ihr nicht.
Perfekte Voraussetzungen also, wenn am nächsten Tag das Meisterschaftsfinale ansteht.
Steven hatte währenddessen seine ganz eigene Baustelle. Er suchte nach dem richtigen Reifen- und Fahrwerkssetup und war mit dem Auto noch nicht ganz dort, wo er hinwollte.
Für das Limbo am Freitag fiel dann irgendwann eine Entscheidung, über die wir im Nachhinein wahrscheinlich noch öfter lachen werden. Er nahm Nicos Reifen. Oder wie wir sie inzwischen liebevoll nennen: die Plastikreifen. Extreme X mit 500 TW.
Nicht unbedingt der Reifen, bei dem man spontan sagt: „Jawohl, damit hole ich jetzt den Meistertitel.“
Aber offenbar wussten die Plastikreifen etwas, was wir noch nicht wussten. Steven fand genau den Grip und die Kontrolle, die er brauchte. Runde für Runde ging es weiter. Das Feld wurde immer kleiner. Steven blieb drin. Am Ende war er der einzige Fahrer, der auch die siebte Runde erfolgreich absolvierte.
Platz 1 im Limbo von Seelisberg.
Und plötzlich ging es nicht mehr nur um einen Tagessieg. Mit diesem Ergebnis übernahm Steven die Führung in der Meisterschaft. Nach Platz 9 beim ersten Lauf hatte er anschließend zweimal zugeschlagen.
Hockenheim: Sieg. Seelisberg: Sieg. Am Ende standen 58 Punkte – punktgleich mit Florian Fahle. Aber ganz oben stand:

Steven Dumbeck – Drift Limbo Meister 2026
Was für ein Abschluss.
Am Samstagmorgen wurden die Karten dann neu gemischt. Jetzt ging es um die Entscheidung in der Open-Klasse. Bei Pascal war inzwischen klar, dass die Flyoff an diesem Wochenende nicht mehr zurückkommen würde. Also musste er seinen Fahrstil umstellen.
Und wenn man Pascal kennt, weiß man inzwischen, dass er über solche Dinge nicht lange diskutiert. Er setzt sich ins Auto, probiert, passt sich an – und irgendwann funktioniert es. Genau so war es auch diesmal.
Im ersten gewerteten Lauf standen zunächst 73 Punkte. Noch nicht das, was er sich vorgestellt hatte.
Dann kam der zweite Lauf. Pascal setzte einen richtig starken Lauf hin. 89 Punkte.
Und diese Zahl sollte am Ende noch eine Rolle spielen.
Denn zum Tagessieg fehlte exakt: Ein einziger Punkt.
Trotz defekter Flyoff. Trotz Antriebswellenschaden am Freitag. Trotz komplett verändertem Fahrstil.
Platz 2 in Seelisberg.
Fast schon gewohnt lieferte Pascal wieder genau dann ab, wenn es darauf ankam. Und damit verteidigte er gleichzeitig seinen zweiten Platz in der Gesamtmeisterschaft. Vor dem Finale lag Markus Weber noch deutlich vor uns. In Seelisberg erwischte Markus allerdings nicht ganz den Tag, den man von ihm über die Saison gewohnt war. Am Ende wurde es für ihn Platz 4. Dadurch schrumpfte der Abstand in der Meisterschaft tatsächlich noch einmal ordentlich zusammen.
Nach dem letzten Lauf standen:
66 Punkte für Markus.
60 Punkte für Pascal.
Gerade einmal sechs Punkte Unterschied nach einer ganzen Saison. Damit ist klar:

Pascal Dawitschek – Vizemeister in der Open Klasse 2026.
Natürlich hätten wir Markus gerne noch abgefangen. Aber ebenso klar gehört dazu: Glückwunsch an Markus Weber zur verdienten Titelverteidigung. Wer am Ende einer Saison ganz oben steht, hat seinen Job gemacht. Und dann war da noch jemand, mit dem vor Seelisberg wahrscheinlich nicht unbedingt jeder gerechnet hatte.
Helena Pfundtner. Platz 11 beim ersten Lauf. Platz 7 beim zweiten. Helena fuhr diese Saison irgendwie ein bisschen unter dem Radar. Sie war da, sie war schnell – aber ganz vorne hatte sie bis dahin noch niemand so richtig auf dem Zettel. Dann kam Seelisberg. Und was auch immer Helena dort freigeschaltet hat: Sie war wie von der Leine gelassen. Schnell. Mutig. Und gleichzeitig unglaublich kontrolliert. Schon die 81 Punkte im ersten Lauf waren eine klare Ansage. Dann kam Lauf zwei. 90 Punkte. Und damit: Tagessieg in Seelisberg. Genau diesen einen verdammten Punkt vor Pascal. Mit diesem Sieg schoss Helena in der Gesamtwertung noch bis auf Platz 5 nach vorne und zog damit sogar noch an Steven vorbei. Eine richtig starke Vorstellung. Absolut verdient.

Bei Nico dagegen wurde aus dem Meisterschaftsfinale zunehmend ein Kampf gegen etwas, das wir nicht greifen konnten. Die Elektronikprobleme blieben. Irgendwann ging es zwischen den Läufen nicht mehr darum, den Fehler endgültig zu beheben. Dafür fehlte schlicht die Zeit. Also standen wir teilweise direkt im Vorstart mit dem Diagnosegerät am Auto. Fehlerspeicher auslesen, löschen, Motor wieder starten. Und dann hoffen. Nicht darauf, dass der Fehler verschwunden war. Diesen Luxus hatten wir irgendwann nicht mehr. Wir hofften nur noch darauf, dass Nico vom Start weg wenigstens lange genug volle Leistung hatte, um über die Kuppe und hinein in den Bergab-Abschnitt zu kommen. Dann musste er mit dem arbeiten, was noch da war. Und genau das tat er. 82 Punkte im ersten Lauf. 79 Punkte im zweiten. Am Ende: Platz 6 in Seelisberg.
Unter normalen Umständen wäre Platz 6 vielleicht einfach Platz 6. Unter diesen Umständen war es deutlich mehr. Denn trotz des ganzen Elektronikchaos beendet Nico die Saison auf:
Gesamtplatz 4 der Open-Klasse – 42 Punkte.
Gerade einmal drei Punkte fehlen auf Platz 3. Hinter Nico folgen Helena und Steven mit jeweils 41 Punkten. Viel enger hätte dieser Bereich der Meisterschaft kaum sein können. Eine bessere Runde hier, ein Fehler weniger dort – und die Tabelle hätte am Ende komplett anders aussehen können. Aber Seelisberg wäre nicht Seelisberg, wenn es beim Saisonfinale nur um unsere eigene Meisterschaft gehen würde.
Yves Meyer, Hausherr in Seelisberg und Mitveranstalter des Wochenendes, hat mittlerweile eine kleine Tradition daraus gemacht, internationale Fahrer zum Finale einzuladen. 2025 war mit Mika Keski-Korpi bereits ein Fahrer aus dem Drift-Masters-Umfeld als Gastfahrer in der Club-Klasse am Start. 2026 setzte Yves noch einen drauf. 🇯🇵 Ryusei Akiba.
Akiba hat sich in den vergangenen Jahren als internationaler Newcomer und kompromissloser Angreifer einen Namen gemacht. Zwei komplette Saisons in der japanischen D1GP, Erfolge bei der D1GP Malaysia, Podiumsplatzierungen in Europa und schließlich der Schritt in die Drift Masters. Kurz gesagt: Der Mann weiß ziemlich genau, wie ein Driftcar bewegt werden muss. In Seelisberg trat Akiba mit dem Supra von Drift Force an. Und dieser Supra bewegt sich – je nach Setup – irgendwo in einer Leistungsklasse von ungefähr: 900 bis 1.200 PS.
Akiba kam allerdings nicht nach Seelisberg, um ein paar nette Showrunden zu drehen. Was er auf die Strecke stellte, war schlicht eine: Mega Vorstellung.

Brutal schnell, aggressiv, präzise und gleichzeitig so kontrolliert, dass einige Passagen plötzlich deutlich einfacher aussahen, als sie tatsächlich sind. Akiba kämpfte sich bis ins Finale. Und dort wartete: Jan Streubel. Und wenn man sich nur die Fahrzeuge anschaut, könnte die Ausgangslage kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite ein japanischer Profi mit D1GP- und Drift-Masters-Erfahrung. Ein Supra mit irgendwo zwischen 900 und 1.200 PS. Auf der anderen Seite: Jan. BMW E36 Limousine. Ungefähr 220 PS. Auf dem Papier? David gegen Goliath. Aber Papier fährt keine Battles. Jan ging raus, klemmte sich hinter Akiba und machte dem Japaner richtig Druck. So viel Druck, dass nach dem ersten Duell eben nicht eindeutig feststand, wer dieses Finale gewonnen hatte. Die Judges wollten es noch einmal sehen. One more time! Und das muss man sich wirklich einmal vor Augen führen. Da kommt ein japanischer Drift-Profi in einem vierstelligen PS-Monster nach Seelisberg – und Jan zwingt ihn mit einem rund 220 PS starken E36 im Finale in einen Wiederholungslauf. Natürlich wissen wir alle, dass Driften nicht einfach nur über Motorleistung entschieden wird. Linie, Winkel, Geschwindigkeit, Nähe, Konstanz, Fahrzeugbeherrschung – am Ende muss alles zusammenpassen. Aber genau deshalb war Jans Leistung so beeindruckend. Er konnte Akibas Leistung nicht mit noch mehr Leistung beantworten. Also beantwortete er sie mit Fahren. Im One More Time konnte sich Akiba schließlich durchsetzen und holte verdient den Tagessieg. Aber wenn ein Fahrer mit dieser Erfahrung und diesem Material ein One More Time braucht, um dich in deinem rund 220 PS starken E36 im Finale loszuwerden, dann hast du an diesem Tag verdammt viel richtig gemacht. Was für ein Battle von beiden!
Und dann gibt es noch eine Geschichte dieser Saison, die man in keiner Meisterschaftstabelle richtig ablesen kann. Seit dem zweiten Lauf begleitet uns René Baumgärtner mit seinem E46 M3 Coupé. Und manchmal merkt man im Motorsport sehr schnell, ob es zwischen Menschen passt. Bei René und seiner Partnerin Jeanny war das von Anfang an der Fall. Die Sympathie stimmt, unsere Jungs fahren gerne miteinander und im Fahrerlager ist mittlerweile etwas entstanden, das deutlich über ein einfaches „Hallo“ zwischen Konkurrenten hinausgeht. Man tauscht Erfahrungen aus. Man gibt sich Tipps. Man schaut gemeinsam nach Problemen. Und wenn irgendwo geschraubt werden muss, fragt keiner lange danach, welches Team auf dem Auto steht. Dann wird mit angepackt. René selbst zeigte in Seelisberg ebenfalls eine richtig gute Leistung und fuhr mit 80 Punkten auf Platz 7.
Genau solche Bekanntschaften gehören für uns genauso zu einer Saison wie Pokale und Meisterschaftspunkte. Denn auf der Strecke fährt jeder für sein Ergebnis. Im Fahrerlager steht man trotzdem zusammen. Nach einem Samstag voller Action hätte man meinen können, dass der Sonntagmorgen etwas gemütlicher ausfällt. Tja. Da war ja noch etwas. Auf unserem Platz stand immer noch Pascals E38 – und dessen kaputter Kühler hatte sich seit Freitag erstaunlicherweise nicht selbst repariert. Der über die Drift Force Garage organisierte neue Kühler lag zum Glück bereits da. Also hieß es am Sonntagmorgen noch einmal: Werkzeug raus. Alter Kühler raus, neuer rein, Kühlmittel drauf, kontrollieren, laufen lassen. Alles dicht. Alles funktioniert. Gegen 12 Uhr konnten wir uns schließlich auf den Heimweg machen. Und dieses Mal erledigte der E38 seinen Job genau so, wie er sollte. Pascal, Jessi, Anhänger und frisch lackierter Drifter kamen problemlos wieder nach Hause.
Damit endete ein Wochenende, das in der letzten Spitzkehre vor Seelisberg mit einem Defekt begonnen hatte und uns anschließend technisch wirklich nichts geschenkt hat. Aber irgendwie haben wir für jedes Problem eine Lösung gefunden. Und genau deshalb stehen am Ende nicht die Defekte im Vordergrund.
Sondern das, was wir trotzdem daraus gemacht haben. Unsere Saison 2026 endet mit:
Steven Dumbeck – Limbo Meister 2026
Pascal Dawitschek – Vizemeister der Open-Klasse 2026
Nico Chelminiacki – Open-Klasse
Steven Dumbeck – Open-Klasse
Wenn man nur eine Meisterschaftstabelle anschaut, sieht man Punkte und Platzierungen. Was dort nicht steht, sind eine gebrochene Kühleraufnahme kurz vor dem Ziel, eine ausgefallene Flyoff, eine kaputte Antriebswelle, Sensoren mit Eigenleben, Fehlerspeicherlöschen im Vorstart, Reifenwechsel, Fahrwerksänderungen und die vielen Stunden, in denen irgendwo wieder jemand unter einem Auto lag. Und genau deshalb bedeuten uns diese Ergebnisse so viel.
Sie sind nicht einfach passiert. Sie wurden erarbeitet. Auf der Strecke. Unter dem Auto. Im Fahrerlager. Und dieses Mal eben auch mit dem Diagnosegerät am Vorstart und einem Kühlerwechsel am Sonntagmorgen.
Wir sind stolz auf unsere Jungs, auf ihre Entwicklung und darauf, wie dieses Team mittlerweile funktioniert.
Ein Meistertitel. Eine Vizemeisterschaft. Platz 4 in der Open-Klasse. Und jede Menge Geschichten, die uns von dieser Saison bleiben werden. Die Drift Series 2026 ist damit für uns beendet. Zumindest offiziell. Denn wer uns kennt, weiß: Lange ruhig bleibt es bei uns sowieso nicht. Nach der Saison ist vor der Saison.
2027 – wir kommen.
Dynamic Drift Team – Wo Leidenschaft, Motorsport und Familie eins werden.
(Robert Chelminiacki)

